Türkische Familien in Europa
Die Integration von Migranten der ersten Generation und ihren Kindern stellt seit vielen Jahren ein wichtiges Forschungsgebiet in den Einwanderungsländern Europas und in den USA dar. Bis heute ist jedoch wenig über die intergenerationalen Transmissionsprozesse im Hinblick auf soziale, kulturelle, religiöse und ökonomische Ressourcen und Verhaltensweisen bekannt. Hinzukommt, dass, anders als in den USA, transnationale Studien zu intra- und internationalen Migrationsprozessen in Europa noch eine Ausnahme darstellen. Schließlich dominiert in Europa bisher noch eine komparative Perspektive, die andere Migrantengruppen oder die einheimische Bevölkerung, nicht jedoch Einheimische der Herkunftsgesellschaft oder Remigranten berücksichtigt.
Das Projekt „500 Families. Migration Histories of Turks in Europe” verfolgt ein besonderes Untersuchungsdesign, um das bestehende Wissen um internationale Migrationsprozesse und intergenerationale Mobilität zu erweitern. Nachgezeichnet werden Migrations- und Familienbiographien von 500 Personen und ihren Nachkommen aus ausgewählten, von der Auswanderung in den 1960er Jahren besonders betroffenen Gebieten in der Türkei. Im Mittelpunkt stehen 400 Personen, die zwischen 1930 und 1940 in der Türkei geboren wurden und in der Anwerbephase bis 1974 als Arbeitsmigranten nach Europa emigriert sind, sowie 100 weitere Personen, die damals in der Türkei blieben. Interviewt werden sie und ihre Nachkommen in der Türkei und in Europa, insgesamt ungefähr 6000 Personen von bis zu vier Generationen.
Dieses Forschungsprojekt wird im Rahmen von NORFACE ERA-NET finanziert und hat eine Laufzeit von 4 Jahren (2009-2013). Die Leitung hat Dr. Ayse Güveli, die derzeit an der Universität Essex/UK lehrt.
Als Kooperationspartner sind Prof. Bernhard Nauck von der TU Chemnitz und Prof. Harry Ganzeboom von der Freien Universität Amsterdam beteiligt. Weitere Teammitglieder sind Prof. Lucinda Platt (Institute of Education, London), Dr. Helen Baykara-Krumme (TU Chemnitz) sowie Dr. Sebnem Eroglu-Hawksworth (Universität Essex), sowie die Doktoranden Derya Yarici (TU Chemnitz), Sait Bayraktar (Universität Essex) und Efe Sözeri (Freie Universität Amsterdam).