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Glossar

Alltägliche Lebensführung

Als alltägliche Lebensführung wird der Zusammenhang aller Tätigkeiten von Personen in ihren verschiedenen Lebensbereichen (Erwerbsarbeit, Familie, Freizeit, Bildung usw.) definiert. Thema ist die Synchronie des Alltags und das individuelle ‚Arrangement der verschiedenen sozialen Arrangements’ von Personen. Als aktive Konstruktion der Betroffenen besitzt die alltägliche Lebensführung dennoch eine an das Subjekt gebundene strukturelle Eigenlogik.

Arbeit

Neben der betrieblichen Erwerbsarbeit weisen auch Tätigkeiten in Familie und Haushalt Arbeitscharakter auf. Es handelt sich dabei u. a. um Verrichtungen der Kinderversorgung und –beaufsichtigung sowie der Alltagsorganisation ( >> alltägliche Lebensführung).
Im Rahmen des Projekts interessiert besonders die These, dass Unternehmen jenseits formeller Lohnarbeit systematisch auf das Arbeitsvermögen zugreifen. Zum einen geschieht dies durch die in der Arbeitskraftunternehmer-These postulierte Externalisierung betrieblicher Funktionen auf die Arbeitenden. Parallel zu diesem neuen Typus der Arbeitskraft wird auch der Konsument stärker in Produktionsfunktionen einbezogen ( >> Konsumentenarbeit).

Arbeitender Kunde

Der Begriff "Arbeitender Kunde" bezeichnet die von G. Voß und K. Rieder entwickelte These und ein soziologisches Konzept mit dem die zunehmend zu registrierende Integration der Arbeitsleistung von Konsumenten (als Kunden, Bürger, Klienten, Patienten usw.) in betriebliche Funktionskontexte thematisiert wird.

Arbeitskraftunternehmer

Beim Arbeitskraftunternehmer handelt es sich um einen neuen gesellschaftlichen Idealtypus von Arbeitskraft, der nach Voß/Pongratz (1998) unter zunehmend entgrenzten Erwerbsarbeitsverhältnissen ( >> Entgrenzung) funktional wird. Der Arbeitskraftunternehmer zeichnet sich durch die Festlegung und Kontrolle der konkreten Arbeitsausführung (Selbst-Kontrolle), die permanente Arbeitskraftentwicklung und –vermarktung (Selbst-Ökonomisierung) sowie die dafür notwendige betriebsförmige Organisation seines gesamten Lebenszusammenhanges (Selbst-Rationalisierung) aus.

Betriebsfallstudie

Die Betriebsfallstudie ist ein Instrument der qualitativen empirischen Forschung. Es dient der Erhebung betriebsspezifischer Charakteristika. Meist werden aus der Sicht eines einzelnen Aspekts (z.B. Konsumentenintegration) alle relevanten betrieblichen Abläufe in ihrer darauf bezogenen Wirkung analysiert. Sie werden meist in Form von Experteninterviews, etwas seltener aber auch durch teilnehmende Beobachtung durchgeführt.

Content Production

Content Production als nutzerbasierte Erstellung von Inhalten ermöglicht die Social Software des Web 2.0 im Rahmen von Foren, Bewertungsplattformen, Blogs etc. ( >> Social Software, Web 2.0) In den meisten Fällen werden die eingestellten Inhalte ihrer indirekten Vernutzung durch die Homepage-finanzierende Werbung unterworfen.

Crowdsourcing

Auch Open Innovation genannt. (>> Open Innovation) Von Betrieben in Form eines (internet-) öffentlichen Aufrufs aktiv betriebene Auslagerung (Outsourcing) von Gestaltungs- bzw. Entwicklungsfunktionen an eine Masse (Crowd) von freiwillig partizipierenden Nutzern. Dazu gehören u. a. Produktentwicklung/Ideenfindung (z.B. BMW Customer Innovation Lab), Gestaltung/Design (z.B. spreadshirt.net) sowie incentivierte Ausschreibungen von Arbeitsaufgaben (z.B. moviebakery.de). Anwender dieser Form von Konsumentenarbeit sind sowohl ‚herkömmliche’ als auch ‚Web 2.0-Unternehmen’. ( >> Web 2.0)

Customer-to-Customer-Services

Es handelt sich hierbei um internetbasierte Unternehmensplattformen. Die Betriebe übernehmen dabei eine Vermittlungs- bzw. Maklerfunktion durch Bereitstellung einer Benutzeroberfläche. Die eigentliche Leistung wird in wechselseitiger Kooperation von den Anwendern erbracht (Peer-to-Peer-Kooperation, ‚mEcommerce’). Die Internetplattformen finanzieren sich über Gebühren oder (personalisierte) Werbung. Dazu gehören u. a. Verkaufsplattformen (z.B. eBay, Amazon Marketplace), Internet-Partnervermittlungen (z.B. neu.de, Parship.de) sowie Online-Tauschbörsen (z.B. KaZaA). Anwender sind v.a. Unternehmen, deren Geschäftsidee auf Anwendungen von Konsumentenarbeit beruht (‚Web 2.0-Unternehmen’). ( >> Web 2.0)

Entgrenzung von Arbeit

Prozess des multiplen Abbaus tayloristisch-fordistischer Grenzziehungen und Regulierungen in der gesellschaftlichen und betrieblichen Arbeitsorganisation. Im Forschungszusammenhang liegt der Fokus auf der Öffnung der industriell getrennten Sphären „Erwerbsarbeit – Privatleben/Konsum“. Entgrenzungsauslöser sind neben neuartigen Produktionsanforderungen und technischen Innovationen sich verändernde Einstellungen der Arbeitnehmer resp. Kunden. ( >> Kunden)

Internetvermittelte Selbstbedienung

Auslagerung betrieblicher Teilfunktionen in den Bereichen Dienstleistungserstellung oder Produktkonfiguration an den Konsumenten. ( >> Konsument) Dazu gehören u. a. Selbst-Buchung und automatisierter Check-In im Verkehrs- bzw. Hotelbereich, Konfiguration von Produktkomponenten ( >> mass customization, z. B. Dell) sowie Informationsbeschaffung/Risikobewertung im Finanzsektor (z. B. ‚Direct Brokerage’). Anwender sind v.a. ‚herkömmliche’ Dienstleistungs- und Produktionsunternehmen, die Konsumentenarbeit überwiegend punktuell einsetzen. ( >> Konsumentenarbeit)

Konsument

Im Forschungszusammenhang interessieren Konsumenten als Menschen in ihrer persönlichen und zugleich gesellschaftlichen Funktion als Nutzer und Verbraucher fremdproduzierter Waren. Dies impliziert, dass Konsumenten auch in modernen Ökonomien nach wie vor Produkte ge- und verbrauchen (also konsumieren), die nicht geldvermittelt auf Märkten erstanden wurden, sondern auf anderem Wege (etwa über direkten Tausch) erworben oder sogar im Rahmen einer häuslichen Primärökonomie produziert bzw. endgefertigt wurden.

Kosumentenarbeit

Konsumentenarbeit entsteht durch die zunehmende systematische Einbindung der Arbeitskraft von Konsumenten in betriebliche Prozesse durch Verlagerung von Funktionen auf private Kunden von Unternehmen bzw. auf private Nutzer von Unternehmensangeboten. ( >> Arbeitskraft, Konsument, Kunde) Der Kunde ist Konsument, doch zugleich ist er produktiv tätig und wird als gebrauchswertschaffende Arbeitskraft eingesetzt. Aufgrund des ebenfalls erzeugten Tauschwertes der erbrachten Leistungen ist die Konsumentenarbeit eine ökonomische Wertschöpfungsquelle für die sie einsetzenden Unternehmen. Um dies zu gewährleisten, ist das Handeln der Konsumenten systematisch in die Unternehmensorganisation integriert und unterliegt damit der betrieblichen Kontrolle.

Kunde

Aus betriebswirtschaftlicher Perspektive sind Kunden v. a. Nachfrager bzw. Käufer angebotener Produkte oder Dienstleistungen. Dabei wird unterschieden zwischen personalisierten Kunden als Endverbraucher (‚b2c’) und gewerblichen Kunden (‚b2b’). Wir sprechen in diesem Projekt vorrangig von Kunden als Endnutzern, die das Gekaufte konsumieren, unabhängig davon, wie sie es tatsächlich verwerten. Darüber hinaus werden auch kleingewerbliche Händler, wie sie z.B. bei amazon oder ebay anzutreffen sind, in unsere Untersuchungen einbezogen.

Mass customization

Das aus den Begriffen ‚mass production’ und ‚customization’ im Sinne kundenindividueller Anpassung zusammengesetzte Oxymoron bezeichnet das Produktionsverfahren der individualisierten Massenfertigung. Diesem liegt die freie Gestaltung des zu erwerbenden und massenhaft gefertigten Produktes mithilfe von Konfiguratoren durch die Konsumenten zugrunde.

Microjobs

Bei microjobs handelt es sich um zeitlich befristete, über das Internet vermittelte und von Unternehmen ausgeschriebene Arbeitsaufgaben, deren ordnungsgemäße Bearbeitung objektiv überprüfbar ist. ( >> crowdsourcing) Die Arbeitsvermittlung erfolgt über online-Börsen, wie bspw. Mturk.com, humangrid.de oder microworkers.com. Dabei lassen sich hinsichtlich der Qualität der angebotenen Tätigkeiten zwei verschiedene Aufgabentypen unterscheiden: die standardisierte Tätigkeiten, die meist nicht adäquat mittels PC erledigt werden können (Klassifizierungen, Verschlagwortung, Transkription, etc.) und wesentlich anspruchsvollere Tätigkeiten in den Bereichen F&E oder Design.
Die Ausführenden werden häufig auch als 'clickworker' bezeichnet.

Open Innovation

Open Innovation meint nach Henry Chesbrough die Öffnung von Unternehmen für eine Vielzahl externer Akteure, wie andere Unternehmen, Universitäten, Vertriebspartner und ‚Amateure’. Dies ermöglicht eine gezielte Einbindung der Internet-Nutzer in betriebliche Prozesse.

Subjektivierung von Arbeit

Die in Folge des Entgrenzungsprozesses aufgelösten Regulierungen müssen von den Subjekten selbsttätig wiederhergestellt werden, um Handeln zu ermöglichen. ( >> Entgrenzung von Arbeit) Im Forschungszusammenhang werden dabei va. subjektive Grenzziehungen zwischen Erwerbsarbeit und Privatleben berücksichtigt. Diese sowie vielfältige weitere Re-Strukturierungsleistungen ermöglichen den Unternehmen die Offenlegung bisher verborgener Potentiale der Person (Innovativität, Kreativität, Selbstorganisation, etc.).

Subjektorientierte Soziologie

Bei der subjektorientierten Soziologie handelt es sich um eine unter anderem von Karl Martin Bolte vertretene Forschungsperspektive, die die menschenprägende Wirkung gesellschaftlicher Strukturen in den Blick nimmt. Im Zentrum des Interesses stehen demnach die wechselseitigen Vermittlungs- und Konstitutionsprozesse gesellschaftlicher Gegebenheiten einerseits und menschlicher Denk- und Handlungsweisen andererseits. Wie prägen also gesellschaftliche Strukturen das Denken und Verhalten von Menschen, wie agieren letztere in diesem Rahmen, und wie nehmen sie dadurch wiederum Einfluss auf die Gestaltung dieser Strukturen?

Social Community

Der Aufbau einer Social Community wird durch die Social Software des Web 2.0 ermöglich. ( >> Social Software, Web 2.0) Bekannte Beispiele für Social Communities sind bspw. Facebook oder StudiVZ. Inzwischen bedienen sich viele Unternehmen aus Marketinggründen dieser Instrumente. Durch ein Online-Angebot von Gästebüchern, Foto- und Videoalben, Themen-Webboards, Profilen sowie Chats erfolgt eine webbasierte Interaktion sowie neue Vernetzungsmöglichkeiten von Kunden im Sinne von viralem Marketing oder gegenseitiger Kundenberatung. ( >> virales Marketing)

Social Software

Unter Social Software versteht man all jene Anwendungen, die Kommunikation, Interaktion und Zusammenarbeit im Internet unterstützen. Erst damit werden die mit dem Schlagwort Web 2.0 umrissenen veränderten Optionen und Formen ‚interaktiver’ Internetnutzung möglich. ( >> Web 2.0)

User Innovation

Das von Open Innovation abgeleitete Konzept User Innovation folgt stark dem Gedanken des Crowdsourcing: Unternehmen befreien sich weitgehend von Investitionsrisiken, indem sie die zur Herstellung innovativer Produkte benötigten Bedürfnis- und Lösungsinformationen nicht länger in die zwei ‚Sphären’ Kunde und Unternehmen differenzieren, sondern diese ‚im Kunden’ vereinen (vergl. Piller 2006). ( >> Open Innovation, Crowdsourcing, Kunde)

Virales Marketing

Hierbei handelt es sich hier um eine besondere Form der Vermarktung. Die Besonderheit liegt in der Art und Weise der Verbreitung der Marketingbotschaft. Ebenso wie Viren, die persönliche zwischenmenschliche Kontakte zu ihrer Verbreitung nutzen, nutzt das virale Marketing soziale Netzwerke, um eine möglichst hohe Anzahl von Personen zu erreichen (small world phenomenon). Nach der anfänglichen gezielten Streuung der Botschaft in Form von kurzen Videos, Foreneinträgen oder (Micro)Blogs wird die weitere Distribution also von der Menge potenzieller Zielpersonen übernommen ( >> Crowdsourcing).
Durch die Verwendung des Internets als Medium ( >> Web 2.0) unterscheidet sich das virale Marketing von althergebrachten Formen der persönlichen Empfehlung oder der Mundpropaganda. Die Übermittlung der Botschaft ist räumlich und zeitlich entgrenzt und kann somit eine breitere Masse erreichen. Weite Entfernungen sind problemlos überbrückbar und werden gespeichert, sodass auch zu späteren Zeitpunkten darauf zugegriffen werden kann („Das Internet vergisst nichts“).

Web 2.0

Web 2.0 bezeichnet einen Teil des Internets, welcher den Usern interaktive Beteiligungs- und Vernetzungsmöglichkeiten bietet. Auslöser dieser Weiterentwicklung des Internets sind neben neuen Technologien va. ein verändertes, auf Mitwirkung angelegtes Userverhalten. Dies ist die Basis der im Projekt untersuchten Phänomene betrieblicher Kundenintegration, bspw. der indirekt vernutzten content production. Darüber hinaus erlaubt web 2.0 die Erstellung eigener Homepages bzw. Blogs, die entfernungsunabhängige Projektarbeit sowie die Vernetzung in unzähligen (Social-) Communities sowie die Zusammenarbeit an einem Projekt. ( >> Social Community)