Die Professur Soziologie des Raumes
Profil der Professur
Die Professur Soziologie des Raumes ist im Institut für Soziologie mit insgesamt fünf Professuren verortet.
In der Lehre übernimmt ihr Personal Ausbildungsaufgaben in der Speziellen Soziologie in den (nunmehr auslaufenden) Studiengängen Diplom Soziologie und Magister mit Nebenfach Soziologie und den neu eingerichteten Curricula Bachelor (BA) Soziologie und Master (MA) Soziologie.
Die Soziologie des Raumes analysiert die räumliche Organisation moderner Gesellschaften. Im 6-semestrigen BA Studiengang werden die Grundlagen soziologischer Theorien und ausgewählter wissenschaftlicher Methoden vermittelt, im MA Soziologie werden die Kompetenzen zur Forschung gestärkt und der Anwendungsbezug zu Raumanalyse und räumlicher Planung (Stadt- und Regionalentwicklung, Infrastrukturplanung) entwickelt. Der Studienschwerpunkt Arbeiten und Leben in urbanen Räumen (MA) verbindet Themen und Verfahren der Soziologie des Raumes mit denen der Arbeits- und Industriesoziologie.
In einem formalwissenschaftlichen Sinne bezeichnet der Raum die ‚Möglichkeit des Zusammenseins’ (Immanuel Kant 1724-1804), also der Kopräsenz von Prozessen und Strukturen, die nur als eine räumliche und zeitliche Ordnung wahrgenommen werden können. Dem formalen Universalismus ‚des Raumes’ wird in den Theorieentwicklungen vieler Natur- und Geisteswissenschaften entsprochen. Kant thematisierte ihn als ein kognitives Apriori und argumentierte damit ähnlich wie die moderne Hirnforschung, während die Sozialisationstheorien, etwa mit Jean Piaget (1896-1980), eher von einem erworbenen kulturellen Apriori sprechen.
Die Soziologie erfasst den sozialen Raum als den alltagsweltlich organisierten Kontext der Erfahrungen handelnder Menschen. In einer handlungstheoretischen Begründung ist die Anordnung von Objekten und Akteuren im Verhältnis und mit Bezug zueinander deren sozialer Raum. Städte, Siedlungen überhaupt, und Regionen sind Alltagsräume, in denen die Menschen ihr Leben organisieren - ihrer Arbeit nachgehen, wohnen, Schulen besuchen, sich in der Öffentlichkeit engagieren, ihre verwandtschaftlichen und freundschaftlichen Beziehungen unterhalten, Sport treiben, sich amüsieren u.v.a.m. tun. Die räumliche Praxis erweitert sich für viele Menschen in den spätmodernen Gesellschaften und ihre Arbeits-, Familien- und touristischen Beziehungen nehmen globale Dimensionen an.
Die Gestaltung der sozialen Räume wird in funktional differenzierten Gesellschaften z. T. aus den privaten Zusammenhängen in die Kompetenzen des Staates und der Professionellen übertragen, die als Gestalter der räumlichen Bedingungen der sozialen Welt agieren wie z. B. ArchitektInnen, PlanerInnen, DesignerInnen u.ä. Für eine sinnvolle Zusammenarbeit mit den SoziologInnen werden die disziplinären Überschneidungen und das gegenseitige Interesse konstatiert. Dazu gehört auch die Mitsprache derer, die durch Planungen in ihrer Lebensführung betroffen werden. Sie werden in Beteiligungs- und Partizipationsverfahren organisiert, die zum Thema soziologischer Arbeit werden können.