TU Chemnitz
Institut für Soziologie
Empirische Sozialforschung
D-09107 Chemnitz
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TU Chemnitz
Institut für Soziologie
Empirische Sozialforschung
D-09111 Chemnitz
DFG-Projekt: "Das Timing der Instutionalisierung partnerschaftlicher Beziehungen (TIP)"
Der Ablauf von intimen Paarbeziehungen lässt sich in verschiedene Phasen einteilen. Zunächst muss jede Partnerschaft erfolgreich eine Aufbauphase durchlaufen, in der sich die Partner treffen, kennen lernen und ihre Interaktion verdichten. Wird die Aufbauphase erfolgreich bewältigt, tritt die Beziehung in die Bestandsphase ein, in der die Partner für sich selbst definieren, sich in einer festen, langfristigen Partnerschaft zu befinden. Eine Krisen- und Auflösungsphase der Partnerschaft kann darüber hinaus entstehen, wenn subjektiv als belastend wahrgenommene Veränderungen der Beziehung auftreten.
Die bisherige familiensoziologische Forschung hat sich vorwiegend auf die Bestands-, Krisen- und Auflösungsphase von Partnerschaften konzentriert. Intensiv erforscht wurden z.B. Fertilitätsprozesse (Bestandsphase) oder Determinanten der Partnerschaftsstabilität (Krisen- und Auflösungsphase). Die Aufbauphase, d.h. Prozesse der Initiierung und Verstetigung intimer Beziehungen, spielt dagegen in der bisherigen Forschung nur eine untergeordnete Rolle. Dies gilt zwar weniger für das Heiratsverhalten, jedoch insbesondere für die Verfestigungsschritte im Vorfeld der Eheschließung (z.B. Haushaltsgründung).
Die Zielsetzung des von der DFG geförderten Projektes „TIP“ besteht darin, die Aufbauphase von intimen Beziehungen detailliert zu erforschen. Es werden dabei zwei Hauptfragestellungen verfolgt: Erstens soll untersucht werden, wie sich Forschritte im Aufbauprozess messen lassen. Entwickelt wird hier ein Instrument, das auf signifikanten Ereignissen basiert, die auf Interaktionsverdichtungen der Partner in verschiedenen Bereichen hinweisen. Dazu zählen z.B. die Vorstellung des Partners bei den Eltern, das Deponieren von persönlichen Gegenständen in der Wohnung des Partners, das Tauschen der Wohnungsschlüssel oder eine Verlobung.
Die zweite Hauptfragestellung des TIP-Projektes betrifft Faktoren, die den Institutionalisierungsprozess erklären. In Anlehnung an die Austauschtheorie kann hier zum einen erwartet werden, dass Merkmale wie eine Ähnlichkeit von Interessen und Werthaltungen der Partner oder eine hohe Partnerschaftszufriedenheit einen positiven Effekt auf den Verfestigungsprozess ausüben. Zum anderen sind spezielle Lebenslagen zu berücksichtigen, die den Institutionalisierungsprozess beschleunigen oder verlangsamen können. Dazu zählen z.B. eine Ausbildungsphase, eine Scheidung der Eltern oder eine voreheliche Schwangerschaft.
Das Projekt wurde 2009 abgeschlossen. Die Daten können bei GESIS unter der ZA-Nummer 4992 angefordert werden.
Lois, Daniel/Arránz Becker, Oliver & Kunz, Christina (2009):Fördernde und hemmende Einflüsse der Kohabitation auf die Heiratsabsicht. Eine nutzen- und kostentheoretische Analyse.
In: Zeitschrift für Familienforschung 21(1): 30-54.
Gegenstand der Arbeit ist die These, dass die nichteheliche Lebensgemeinschaft (NEL) sowohl als Vorstufe als auch als Alternative zur Ehe zu interpretieren ist, da sie gleichzeitig die Heiratskosten und den Heiratsnutzen senkt. Es wird empirisch analysiert, wie nichtehelich mit ihrem Partner kohabitierende Personen – gegenüber einer Vergleichsgruppe von Paaren ohne gemeinsamen Haushalt – verschiedene Nutzen- und Kostenaspekte einer Eheschließung wahrnehmen und wie sich diese unterschiedlichen „Entscheidungsparameter“ auf die relative Heiratsintention auswirken. Die Ergebnisse bestätigen primär die Vorstufenfunktion der NEL: Bereits kohabitierende Personen nehmen die Kostenseiten einer Eheschließung – speziell den Verzicht auf eine Fortsetzung der Partnersuche, eine erwartete Ablehnung der ehelichen Partnerschaft im sozialen Netzwerk sowie den Verzicht auf sexuelle Freiheiten durch die längerfristige Festlegung auf den Partner – als weniger gravierend wahr. Heiratsanreize entstehen bei kohabitierenden Paaren nach unseren Befunden also primär über die geringen Kosten. Darüber hinaus weisen die Ergebnisse darauf hin, dass eine ökonomische Absicherung der Partner oder ihrer Kinder weiterhin ein Alleinstellungsmerkmal der Ehe ist.
Lois, Daniel/Arránz Becker, Oliver & Kunz, Christina (2009):Fördernde und hemmende Einflüsse der Kohabitation auf die Heiratsabsicht.Eine nutzen- und kostentheoretische Analyse.
In: Zeitschrift für Familienforschung 21(1): 30-54.
Kopp, Johannes/Lois, Daniel/Kunz, Christina & Arránz Becker, Oliver (2010):"Verliebt, verlobt, verheiratet". Institutionalisierungsprozesse in Partnerschaften.
In: Wiesbaden: VS-Verlag.
„Verliebt, verlobt, verheiratet“ – Auch wenn sich die Entwicklung von Partnerschaften und Beziehungen in diesem Kindervers so einfach anhört, in der Realität sind die Prozesse, durch die Partnerschaften eine gewisse Dauerhaftigkeit erreichen, wesentlich komplizierter. Indem vorliegenden Buch wird untersucht, welche Zwischenschritte bei der Institutionalisierung von Beziehungen wichtig sind und durch welche Umstände diese Verfestigung der Partnerschaft befördert oder behindert wird. Darüber hinaus wird untersucht, welche Rolle die persönlichen Netzwerke spielen und welche Ursachen und Folgen Trennungen in den verschiedenen Phasen einer Partnerschaft aufweisen.
Kopp, Johannes/Lois, Daniel/Kunz, Christina & Arránz Becker, Oliver (2010):"Verliebt, verlobt, verheiratet".Institutionalisierungsprozesse in Partnerschaften.
Wiesbaden: VS-Verlag.
Lois, Daniel/Kunz, Christina & Kopp, Johannes (2010):"Verliebt, verlobt, verheiratet". Institutionalisierungsprozesse in Liebesbeziehungen junger Erwachsener und Jugendlicher.
In: Walper, Sabine & Wendt, Eva-Verena (Hrsg.): Partnerschaften und die Beziehungen zu Eltern und Kindern. Befunde zur Beziehungs- und
Familienentwicklung in Deutschland. Würzburg: Ergon: 55-85.
Lois, Daniel/Kunz, Christina & Kopp, Johannes (2010):"Verliebt, verlobt, verheiratet".Institutionalisierungsprozesse in Liebesbeziehungen junger Erwachsener und Jugendlicher.
In: Walper, Sabine & Wendt, Eva-Verena (Hrsg.): Partnerschaften und die Beziehungen zu Eltern und Kindern. Befunde zur Beziehungs- und
Familienentwicklung in Deutschland. Würzburg: Ergon: 55-85.