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DFG-Projekt: "Das Timing der Instutionalisierung partnerschaftlicher Beziehungen (TIP)"

Der Ablauf von intimen Paarbeziehungen lässt sich in verschiedene Phasen einteilen. Zunächst muss jede Partnerschaft erfolgreich eine Aufbauphase durchlaufen, in der sich die Partner treffen, kennen lernen und ihre Interaktion verdichten. Wird die Aufbauphase erfolgreich bewältigt, tritt die Beziehung in die Bestandsphase ein, in der die Partner für sich selbst definieren, sich in einer festen, langfristigen Partnerschaft zu befinden. Eine Krisen- und Auflösungsphase der Partnerschaft kann darüber hinaus entstehen, wenn subjektiv als belastend wahrgenommene Veränderungen der Beziehung auftreten.

Die bisherige familiensoziologische Forschung hat sich vorwiegend auf die Bestands-, Krisen- und Auflösungsphase von Partnerschaften konzentriert. Intensiv erforscht wurden z.B. Fertilitätsprozesse (Bestandsphase) oder Determinanten der Partnerschaftsstabilität (Krisen- und Auflösungsphase). Die Aufbauphase, d.h. Prozesse der Initiierung und Verstetigung intimer Beziehungen, spielt dagegen in der bisherigen Forschung nur eine untergeordnete Rolle. Dies gilt zwar weniger für das Heiratsverhalten, jedoch insbesondere für die Verfestigungsschritte im Vorfeld der Eheschließung (z.B. Haushaltsgründung).

Die Zielsetzung des von der DFG geförderten Projektes „TIP“ besteht darin, die Aufbauphase von intimen Beziehungen detailliert zu erforschen. Es werden dabei zwei Hauptfragestellungen verfolgt: Erstens soll untersucht werden, wie sich Forschritte im Aufbauprozess messen lassen. Entwickelt wird hier ein Instrument, das auf signifikanten Ereignissen basiert, die auf Interaktionsverdichtungen der Partner in verschiedenen Bereichen hinweisen. Dazu zählen z.B. die Vorstellung des Partners bei den Eltern, das Deponieren von persönlichen Gegenständen in der Wohnung des Partners, das Tauschen der Wohnungsschlüssel oder eine Verlobung.

Die zweite Hauptfragestellung des TIP-Projektes betrifft Faktoren, die den Institutionalisierungsprozess erklären. In Anlehnung an die Austauschtheorie kann hier zum einen erwartet werden, dass Merkmale wie eine Ähnlichkeit von Interessen und Werthaltungen der Partner oder eine hohe Partnerschaftszufriedenheit einen positiven Effekt auf den Verfestigungsprozess ausüben. Zum anderen sind spezielle Lebenslagen zu berücksichtigen, die den Institutionalisierungsprozess beschleunigen oder verlangsamen können. Dazu zählen z.B. eine Ausbildungsphase, eine Scheidung der Eltern oder eine voreheliche Schwangerschaft.

Das Projekt wurde 2009 abgeschlossen. Die Daten können bei GESIS unter der ZA-Nummer 4992 angefordert werden.

Publikationen

Lois, Daniel/Arránz Becker, Oliver & Kunz, Christina (2009): Fördernde und hemmende Einflüsse der Kohabitation auf die Heiratsabsicht. Eine nutzen- und kostentheoretische Analyse. In: Zeitschrift für Familienforschung 21(1): 30-54.
Kopp, Johannes/Lois, Daniel/Kunz, Christina & Arránz Becker, Oliver (2010): "Verliebt, verlobt, verheiratet". Institutionalisierungsprozesse in Partnerschaften. Wiesbaden: VS-Verlag.
Lois, Daniel/Kunz, Christina & Kopp, Johannes (2010): "Verliebt, verlobt, verheiratet". Institutionalisierungsprozesse in Liebesbeziehungen junger Erwachsener und Jugendlicher. In: Walper, Sabine & Wendt, Eva-Verena (Hrsg.): Partnerschaften und die Beziehungen zu Eltern und Kindern. Befunde zur Beziehungs- und
Familienentwicklung in Deutschland. Würzburg: Ergon: 55-85.