Arbeits- und Industriesoziologie als spezielle Soziologie in Chemnitz
Die Industriesoziologie (auch "Arbeits- und Industriesoziologie" genannt) ist eines der umfangreichsten Gebiete der Soziologie mit einer traditionsreichen Geschichte, die das Fach bis heute prägt. Ihre Wurzeln gehen zurück auf wichtige Klassiker der Sozialtheorie (Saint-Simon, Smith, Marx, Durkheim, Max Weber) sowie auf soziale Bewegungen der Industrialisierung, vor allem die Arbeiterbewegung, was sich u.a. in einer sozialkritischen Orientierung eines nicht geringen Teils der Forschungen und ForscherInnen niederschlägt.
Industriesoziologie
Thematischer Kern der Industriesoziologie ist die Arbeit in modernen Gesellschaften, unter besonderer Berücksichtigung der technikbasierten, privatwirtschaftlich-kapitalistisch ausgerichteten und formell verfassten Arbeit (vor allem in der unmittelbaren Produktion des gewerblichen Sektors) im großindustriellen Rahmen. Zunehmend finden jedoch die Arbeit von Verwaltungsbeschäftigten, Experten, Führungskräften und Selbständigen sowie Kleinbetriebe, Dienstleistungsbranchen und der Öffentliche Dienst Beachtung in der Industriesoziologie.
Die Themen- und Problemfelder umfassen dabei alle vier gesellschaftlichen Teilbereiche: die Makro-Ebene als Struktur, Logik und historische Entwicklung moderner Gesellschaften, die Meso-Ebene im Sinne von Struktur, Logik usw. der betriebsförmigen Organisation von Arbeit, die Mikro-Ebene fokussiert Struktur, Logik usw. der arbeitsorganisatorisch und arbeitstechnisch vermittelten direkten sozialen Beziehungen in der Arbeit und der kooperativen Arbeitsausführung und auf Subjekt-Ebene interessieren Struktur, Logik usw. der individuellen oder personalen Voraussetzungen (z.B. Qualifikationen und Motivationen), Folgen (z.B. psycho-physische Belastungen oder Orientierungen und Einstellungen) und Aneignungen (z.B. Formen der Bewältigung von Anforderungen) gesellschaftlicher Arbeit und der Arbeitstätigkeit selber.
Schwerpunkte im Studium
- Industrielle Arbeitstechnik und Arbeitsorganisation: Struktur, Entwicklung und Arbeitsfolgen der Arbeits- und Produktionstechnik; Entwicklung industrieller Arbeitsorganisation und deren ökonomische, soziale wie individuelle und Folgen.
- Technik und Risiko: Technikdiffusion und -implementation, Technikfolgen und -risiken; Einstellungen zu Technik, Technikkultur und wissenschaftlich-technische Zivilisation; sozial- und umweltverträgliche Technikgestaltung; Technik im Alltag; Informations-, Wissens- und Risikogesellschaft.
- Betrieb, Organisation und Management: Industriesoziologische Betriebstheorie und -forschung; Organisationssoziologie, Soziologie des Managements; Entwicklung und Folgen der Formen betrieblicher Rationalisierungsstrategien.
- System der Erwerbsarbeit und Industrielle Beziehungen: Theorien, Entwicklung und Probleme von Arbeitsmärkten; Struktur und Strukturwandel des Systems der Erwerbsarbeit in der Bundesrepublik; überbetriebliche Industrielle Beziehungen und innerbetriebliche Arbeitsbeziehungen und ihre Institutionalisierung; industrieller Konflikt und Arbeitskampf; Arbeits- und Wirtschaftspolitik
- Beruf, Qualifikation und Arbeitsperson: Berufssoziologie und industriesoziologische Berufsforschung (insbes. Facharbeiter, Meister, Angestellte, Ingenieure, Manager); Berufsbildung und berufliche Qualifikation; industriesoziologische Bewußtseins- und Biographieforschung; Theorie und Empirie der Arbeitskraft; Zusammenhang von "Arbeit und Leben", Lebensführungsforschung.
- Wandel der industriellen Arbeitsgesellschaft: Struktur, Entwicklung und Theorie der modernen Arbeitsgesellschaften; Kultur der Arbeitsgesellschaft und alltägliche Arbeitskultur; Arbeitsorientierungen und Wertewandel; Gesellschaftliche Formen von Arbeit jenseits der Erwerbssphäre.