Projekte, gefördert von der DFG
Projekt Häufigkeitsschätzungen (in Zusammenarbeit mit Prof. Wettler, Universität Paderborn)
Thema
Wie können Häufigkeitsschätzungen systematisch beeinflußt werden? Assoziatives Vorwissen und Aufmerksamkeitsprozesse
Zusammenfassung
Die Verarbeitung von Häufigkeiten ist die Grundlage für viele Urteils- und Entscheidungsprozesse und spielt auch beim Lernen von Kategorien und Kausalbezügen eine entscheidende Rolle. In dem angestrebten Projekt soll ein zentraler Aspekt der Verarbeitung von Häufigkeiten genauer untersucht werden: Wie werden Häufigkeiten und relative Häufigkeiten geschätzt und wie können diese Schätzungen systematisch beeinflußt werden? Der theoretische Ausgangspunkt für das Projekt ist ein von den Antragstellern entwickeltes Modell assoziativen Lernens. Dieses Modell erlaubt eine detaillierte Beschreibung der beim Schätzen von Häufigkeiten beteiligten Prozesse und wurde schon erfolgreich zur Simulation von realitätsgerechten Häufigkeitsschätzungen benutzt. Es soll nun so erweitert werden, daß es Vorhersagen darüber ermöglicht, unter welchen Bedingungen und in welcher Weise Schätzungen verzerrt sind. Vorhersagen zu zwei Einflußgrößen, die Häufigkeitsschätzungen verfälschen können, sollen mit Hilfe von Experimenten genauer untersucht werden: Die Auswirkung von Vorwissen und die Rolle von Aufmerksamkeitsprozessen bei der Enkodierung. Die Vorhersagen des assoziativen Modells werden dabei jeweils kontrastiert mit den Vorhersagen der bislang in diesem Bereich hauptsächlich benutzen "Verfügbarkeits-Modelle".
Projekt Stochastikunterricht (in Zusammenarbeit mit Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, Berlin, PD Laura Martignon)
Thema:
Entscheidungsfindung unter Unsicherheit als fächerübergreifende Kompetenz: Alltagsorientierter Stochastikunterricht am Gymnasium
Zusammenfassung
Stochastik ist anwendungsbezogen und realitätsnah wie vielleicht kein anderer Bereich der Mathematik. Grundlegende stochastische Kompetenzen sind nötig, um mit den zahlreichen, alltäglichen und unsicheren Entscheidungssituationen zurechtzukommen. Bei deutschen Schülern können erhebliche Probleme mit stochastischen Fragestellungen festgestellt werden. Ein wichtiger Grund scheint der Unterschied zwischen Denken unter Unsicherheit und dem eindeutigen, deduktiven Vorgehen der Mathematik zu sein. Es wird auch häufig darauf hingewiesen, dass stochastische Denkprozesse - vielmehr als sonstige mathematische - individuell verschiedenartig ablaufen können. Das Projekt beschäftigt sich deshalb grundlegend mit möglichen Strategien zur Lösung und zum Verstehen probabilistischer Entscheidungssituationen. Ein weiteres Problem sehen wir aber auch darin, dass der Mathematikunterricht offenbar nur unzureichend zum Transfer gelernter Verfahren auf alltägliche Anwendungssituationen befähigt, insbesondere weil Aufgabenkontexte meist nicht aus dem Erfahrungsumfeld der Schüler stammen.
Projekt Zeit und Häufigkeit (in Zusammenarbeit mit Prof. Tilmann Betsch, Universität Erfurt)
Thema:
Wechselseitige Beeinflussung der Darbietungsdauer von Stimuli und deren Auftretenshäufigkeit bei der Verarbeitung und Beurteilung von Häufigkeit und Zeit bei Menschen.
Zusammenfassung
Die Zeitdauer, mit der ein Stimulus auftritt, und die Häufigkeit, mit der er auftritt sind von fundamentaler Bedeutung beim Erwerb adaptiver Verhaltensweisen. Die psychologische Forschung hat sich deshalb schon seit langem mit der Verarbeitung dieser beiden Variablen beschäftigt. Zur wechselseitigen Beeinflussung von Zeit und Häufigkeit gibt es jedoch bislang kaum Forschung im Bereich der Humanpsychologie. Die Befundlage ist uneindeutig und die theoretischen Positionen sind widersprüchlich. Das geplante Projekt beschäftigt sich mit der Frage, wann und unter welchen Bedingungen sich Zeit und Häufigkeit bei Lern-, Gedächtnis- und Urteilsprozessen beeinflussen. In der 1. Antragsphase soll als abhängige Variable Häufigkeitsurteile im Vordergrund stehen; in einer späteren 2. Antragsphase Urteile über Zeit. In der 1. Antragsphase soll in neunzehn computergestützten Laborexperimenten der Einfluss der Darbietungsdauer von Stimuli unter Berücksichtigung der Bedingungen der Enkodierung (z.B. Aufmerksamkeit, Kategoriefokus, Art der Enkodierung) und des Urteils (z.B., Urteilstyp, verfügbare Information, Urteilsstrategie) auf Häufigkeitsschätzungen bei Erwachsenen untersucht werden. Aus den Ergebnissen der Studien erhoffen wir uns Aufschluss über fundamentale Prozesse der menschlichen Informationsverarbeitung und der Architektur des Gedächtnisses. Anhand der gewonnenen Befunde sollen widerstreitende theoretische Annahmen aus verschiedenen Forschungsfeldern (Lern-, Gedächtnis-, Urteils- und Entscheidungspsychologie) überprüft und die integrative, feldübergreifende Theorieentwicklung vorangetrieben werden.
Die Adäquatheit von wahrscheinlichkeitstheoretischen Gesetzmäßigkeiten als normative Grundlage für Urteilen unter Unsicherheit (mit Berna Eden, Philosophisches Institut, Bosporus Universität Istanbul, Türkei)
Kontiguitätslernen und die Rolle von Assoziationen in der Sprachpsychologie (mit Manfred Wettler, Universität Paderborn)
Kann die Wissenschaftliche Methode auf die Erforschung der traditionellen indischen Psychologie angewandt werden? (mit Srinivas Kunchapudi, Pondicherry University, Südindien)