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Biophysikalisch-Anorganische Chemie
Prof. Dr. Werner R. Thiel
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Chirale
Liganden
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1.
Enzymatische Synthese von Pyrazolylhexanolen
Zur
Erzielung hoher Stereoselektivitäten bei
metallkatalysierten enantioselektiven Reaktionen müssen
die verwendeten Liganden
i. A. bestimmte strukturelle Voraussetzungen erfüllen:
-
Ein
starres Ligandrückgrat, das die Beweglichkeit des
Liganden einschränkt und die
Komplexbildungskonstante erhöht. Dies wird
normalerweise durch Ankopplung der chiralen
Fragmente an ein aromatisches Ringsystem erreicht.
Im Fall von chiralen Ferrocendiyl-Liganden legt das
Rückgrat auch die Stereochemie fest.
-
Voluminöse
Gruppen am chiralen Zentrum, die das Substrat in
eine vorgegebene Konformation zwingen. Voluminöse
Gruppen am chiralen Zentrum, die das Substrat in
eine vorgegebene Konformation zwingen.
Ziel
unserer Arbeiten ist es, eine Synthese für chirale
Liganden mit einem starren aliphatischen Rückgrat zu
entwickeln. Zusätzlich sollten diese Liganden folgende
Eigenschaften beinhalten:
-
Beide
Enantiomere der Liganden sollten einfach zugänglich
sein.
-
Sie
sollten einfach in ihren sterischen und
elektronischen Eigenschaften variierbar sein.
-
Sie
sollten Startverbindungen für eine ganze Familie
neuartiger Liganden darstellen.
Die
Synthese chiraler aliphatischer
Pyrazol-Liganden gelang durch die Umsetzung
substituierter Pyrazole mit Epoxicycloalkanen.

Die
(1R,2R)-Enantiomere der so
erhaltenen Pyrazolylcyclohexanole lassen sich
enzymatisch
verestern (Lipase B, candida antarctica), die (1S,2S)-Enantiomere
reagieren nicht.

Die
Gemische aus enantiomerenreinem Ester und Alkohol
konnten getrennt werden. Die absolute Konfiguration der
vom Enzym nicht acetylierten (1S,2S)-Enantiomere wurde
mit Hilfe eines Äpfelsäure-Derivates röntgenographisch
bestimmt.

Lipase
B von c. antarctica akzeptiert eine ganze Reihe
unterschiedlicher Substituenten am Pryazol und ergibt
ausgezeichneten Enantiomerenüberschüssen in den
Produkten (90-98 % ee). Einzig Pyrazole mit sehr großen
Resten (z. B. 3-Ferrocenyl) werden nicht mehr umgesetzt.
Enantiomerenreine Produkte (ee > 99 %) können durch
fraktionierte Kristallisation erhalten werden, da die
racemischen Pyrazolylcyclohexanole in Form
wasserstoffverbrückter Dimere, die enantiomerenreinen
Verbindungen in helikaler Anordnung kristallisieren. Nur
das Ferrocenyl-Derivat bildet eine intramolekulare H-Brücke.


Ausgehend
von den Pyrazolylcyclohexanolen waren über
stereokontrollierte Reaktionen eine Reihe neuartiger
zwei- und dreizähniger Ligand-Systeme zugänglich.


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2.
Enantioselektive Katalyse
Zur
Überprüfung unseres Konzeptes untersuchten wir die
enantioselektive Alkylierung von Benzaldehyd mit
Diethylzink in Gegenwart unterschiedlich
substituierter Pyrazolylcyclohexanole.
Wir
erhielten quantitative Ausbeuten und Enantiomerenüberschüsse
von bis zu 80% mit sterisch
anspruchsvollen Substituenten am Pyrazolyl-Rest.
Verfolgt
man die Zunahme von Ausbeute und Enantiomerenüberschuss
mit zunehmendem sterischen Anspruch der Reste R1
und R2, so erkennt man, dass hohe Ausbeuten
bereits mit relativ kleinen Resten, hohe Enantiomerenüberschüsse
aber erst mit relativ voluminösen Substituenten
erreicht werden. Dies ist ein weiterer Beleg für den
von Noyori postulierten zweistufigen Mechanismus, bei
dem der Aminoalkohol mit ZnEt2 zu einem
stabilen, katalytisch inaktiven, dimeren Produkt
abreagiert. Erst die Aufspaltung in das entsprechende
Monomer erlaubt die Aktivierung eines weiteren Moleküls
ZnEt2 und des Aldehyds.
3.
Chirale Metall-Komplexe
Die
Pyrazolylcyclohexanol-Liganden bilden Komplexe mit den
Elementen der ersten Übergangsmetallreihe in den
Oxidationsstufen +II und + III, von denen mehrere
strukturchemisch charakterisiert wurden.
Als
ausgezeichnet geeignet für die Komplexierung von Übergangsmetallen
erwiesen sich die vom Pyrazolylcyclohexanol
abgeleiteten Schiff-Base-Liganden.
Bei der Synthese der Schiff-Base-Liganden, ist tritt
als Zwischenstufe ein Pyrazolylcyclohexanazid auf.
Diese Verbindung ist in Gegenwart von Cu2+
und Pd2+, welche als Katalysatoren für die
Zersetzung von Organoaziden bekannt sind, stabil. So
konnten die ersten Übergangsmetallorganoazid-Komplexe
strukturell charakterisiert werden, bei denen das Azid
mit dem alkylierten Stickstoffatom das Übergangsmetallion
koordiniert.
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4.
Chirale Carben- und Phosphanliganden
Die
nucleophile Öffnung von Epoxicycloalkanen gelang
ebenfalls mit Imidazol und verschiedenen P-Nucleophilen.
Auf diese Weise waren neuartige chirale Carben- und
Phosphan-Liganden zugänglich.


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